schrieb unsere Mutter Uschi Klatt schon in unsere Kinder-Fotoalben
Ihr Bruder Günter sitzt auf dem Schoß von Marlis und -  wer sonst - : Gisela -
- keine andere schiebt den Karren ... immer in Bewegung und zwar nach vorne gerichtet ...


Die 'große' Schwester Gisela wusste einst schon dem Bruder zu erklären,
worauf es im Wald ankommt, wenn man ihn verstehen will.


und wenn wir als Kinder Schlitten fuhren, wusste nur Gilla immer schon,  wo's lang ging.
Ihr Bruder vertraute ihr schon damals als Kind 1952 blindlinks ....

Dies ist der Beginn einer Seite im Internet,
in der ich von meiner Schwester Gisela Klatt-Facklam
(links im Bild) in meiner Art erzählen möchte:

... das geht nur "nach und nach" deshalb schon einmal der Sprung in ihr letztes Lebensjahr 2007 :
... Gisela erscheint zum Kindergeburtstag im Waldkindergarten und ruft: " jetzt kommt der Herbst !!"

 .  .


Das ist Gisela Klatt-Facklam zuletzt in ihrem Waldkindergarten mit "ihrer Rasselbande" und ganz rechts mit Piet ...
... unerwartet stirbt sie am 30. / 31.10.2007
Ihre Freundinnen hielten nach dem evangelischen Pfarrer in der katholischen Kirche (!)
folgende sehr persönlich Trauerrede:

" Gisela, du hast uns gezeigt, dass ein bisschen Chaos diese Welt noch liebenswerter macht.
Du hast uns gezeigt, dass jeder Schwäche eines Menschen eine Stärke gegenübersteht.

Du hast uns gezeigt, dass ein Mensch mit Ecken und Kanten nirgendwo anecken muss.
Du hast uns gezeigt, dass man gegen den Strom schwimmen kann, ohne mit jemandem zusammen zu stoßen.

Nein, im Gegenteil, du warst anders als alle anderen und trotzdem, oder gerade deshalb, hast du es geschafft,
uns alle einander näher zu bringen.
Unsere Kinder waren bei dir in den besten Händen. Hände, die wir noch lange gebraucht hätten und die uns sehr fehlen...
Und ich gebe gerne zu, dass nicht nur mein Kind bei dir viel gelernt hat, sondern dass die Zeit mit dir auch für mich ganz wichtig war
und Du auch mich geleitet und begleitet hast."

" Gisela war ein Unikat. Mit Worten kaum zu beschreiben. Sie hatte die Gabe, aus allem etwas zu machen.
Als praktisch denkende Kreative konnte sie mit dem kleinsten Lederrest Streichholzschachteln verschönern
oder aus alten Kalenderblättern Tüten oder Briefumschläge basteln.

Unzählige Murmeln oder Buchstaben aus Ton, Herzchen aus Wachsresten oder Figuren aus Heu wurden mit ihrer Hilfe geformt.
Selbst ihre Fotos, die sie an die Eltern verteilte, besaßen ihren ureigenen Charme. Alles war immer: Typisch Gisela!
Für die Waldkinder und die Erzieherinnen wickelte sie zu jedem Geburtstag einen Kranz mit allem, was die Natur zu bieten hatte.
Doch nicht nur das Kind stand an diesem Tag für sie im Mittelpunkt: sie umarmte und gratulierte zu allererst seine Mutter
und zeigte uns damit ihre Freude über ihr eigenes Mutterglück.

Während viele von uns schon längst im Bett waren, lag Gisela oft in ihrer Badewanne und ließ ihre Ideen sprudeln.
In manchmal minutenlangen Ausführungen erzählte sie dann morgens mit ihrer prägnanten Stimme
auf dem Anrufbeantworter aufgeregt von neuen Projekten, von jungen Leuten, die einen Praktikumsplatz brauchen,
von einer Patenschaft für die Eselin Mirabelle – was auch immer.

Wenn Gisela ein Mal Feuer gefangen hatte, dann brannte sie lichterloh und steckte alle um sie herum an. Strohfeuer waren das nie -
Gisela war eine Netzwerkerin, eine Ideenspinnerin, eine Fädenzieherin,
die zwischenmenschliche Verbindungen knüpfen konnte, um gute Ideen in die Tat umzusetzen.
Sie schaffte es, selbst die Waldameisen hinter der blauen Bank in ihr Netz einzuweben:
ihnen teilte Gisela die Aufgabe zu, leere, gesammelte Schneckenhäuser zu putzen, damit die Kinder damit basteln konnten.

Gisela liebte die Natur, sie liebte den Wald. Und sie liebte unsere Kinder.
Für unsere Kinder war sie - DIE Gisela  - aus Frankreich, die Basteltante, die Frau mit den lustigen Hüten,
die mit der Flöte, den Baguettes, den Apfelringen und den lecker geschmierten Broten beim Frühstück,
für die so manches Kind sein eigenes im Rucksack verschwinden ließ.

Ihr tiefes Verständnis für die kleinen und großen Sorgen der Kinder als auch für die der Eltern, ihr Gespür für die feinsten Feinheiten des Miteinanders,
zeichnen sie über alle Maße hinweg aus. Für sie war jedes Kind etwas besonderes, was es in seiner Ganzheit zu lieben galt.
Mit ihrer liebevollen Strenge gab sie jedem Kind das, was es brauchte.
Als erfahrene Frau, Mutter und Pädagogin waren Zeit und Raum für sie nicht existent, sie war eine Frau der Tat.
Gisela war immer da, wo Hilfe gebraucht wurde: spontan, selbstlos, verlässlich und mit verblüffender Selbstverständlichkeit.
Wir alle hatten das große Glück, ein Stück des Weges gemeinsam mit Gisela gehen zu dürfen.

Sprachlos begegnen wir ihren Spuren, die sie auf unserem Waldgelände und vor allem in unseren Herzen hinterlassen hat.
Wir sind dankbar dafür, mit ihr einen wahrhaft goldenen Oktober verbracht zu haben.
Kurz vor dem, wie sie schrieb, „anstrengendsten Monat November“, in dem ihr „das Regenwasser auf das Frühstücksbrot tropft“
ist sie von uns gegangen.

Über vier Jahre ihres viel zu kurzen Lebens brachte sie sich mit all ihrer Kraft und Liebe ein.
Es ist ein großer Trost für uns zu wissen, wie wohl sich Gisela im Waldkindergarten gefühlt hat.

Gisela war ein Unikat. Eine herzenskluge Menschenfreundin.
Und so wird sie uns für immer in Erinnerung bleiben.
Waldpädagogik e.V. - Die Waldzwerge "
Sparkasse Merzig-Wadern, BLZ: 593 510 40; Kontonummer: 83360


" Tschüss Gilla ... "
* 2.9.1947 + 31.10.2007


Als Kind wusste ich:
Jeder Schmetterling den ich rette jede Schnecke und jede Spinne und jede Mücke jeder Ohrwurm und jeder Regenwurm
wird kommen und weinen wenn ich begraben werde
Einmal von mir gerettet muss keines mehr sterben
Alle werden sie kommen zu meinem Begräbnis.
Als ich dann groß wurde erkannte ich: Das ist Unsinn. Keines wird kommen ich überlebe sie alle
Im Alter fragte ich: wenn ich sie aber rette bis ganz zuletzt kommen doch vielleicht zwei oder drei?!
Erich Fried

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